An der Nordseeküste ODER Ein Wochenende bei Freunden  

 

Vor 27 Jahren haben wir I + I in Südafrika kennengelernt. Wir haben viel erlebt, uns über manche Jahre aus den Augen verloren, wieder gefunden, ...

Es passt einfach und ich freue mich nicht nur auf die beiden und ihre Familie, sondern auch auf meine geliebten Strandkörbe, die Nordsee, die herrlichen Meeresfrüchte,... Ich mag die Mentalität der kühlen "Fischköppe" und kann das Wiedersehen kaum erwarten.

 

Diesmal ist es fast eine Ehre, dass ich dich mitnehme ? Ich hoffe, du freust dich darüber. 

 

Viel Spaß und alles Liebe

Rena

 

Cuxi, meine heimliche Liebe 

 

6. Juni 2019

Feiertag, 5:30 Uhr. Der Wecker läutet ... kurz nachdenken … welcher Tag? Wie spät? Warum läutet mein Wecker? Kann ich noch trödeln oder muss ich schnell in die Gänge kommen? Ah, alles ist klar. Heute geht’s nach Cuxi und ich kann mich nicht nur auf meine Lieblingsregion freuen, sondern auch auf unsere Freunde, die uns heute in Cuxhaven erwarten.

 

Cuxhaven liegt an der Nordsee im Mündungsbereich von Elbe und Weser und zählt zu einem der bedeutendsten Hafenwirtschaftsstandorte Deutschlands. Die Stadt mit ihren ca. 49.000 Einwohnern lebt vorrangig vom Tourismus, von Hafen- und Fischwirtschaft, außerdem gibt es neben idealer Voraussetzungen für die Nutzung der Windenergie spezialisierte Unternehmen im Bereich der Tier- und Humanmedizin, die das Standortprofil abrunden. 

 

Der Koffer ist gepackt und Punkt 7 Uhr geht’s zum Flughafen. Inspiriert von meinem aktuellen Lesestoff, Just Kids (danke Patrycja für den Tipp), lade ich noch passende Musik zum Buch – Summer of Love and Peace. Finde ich gut, wird mir den Flug angenehm gestalten.

 

Leichte Verspätung beim Abflug, aha, eine Pilotin fliegt uns heute … ich finde es selbst nicht ganz o.k., dass ich das nicht schon als Selbstverständlichkeit empfinde. Der Herr vor mir telefoniert trotz mehrmaliger Aufforderung, den Flugmodus am Handy zu aktivieren, immer noch. Im letzten Augenblick beendet er das Gespräch doch noch, aber seine Worte erstaunen mich … Ich werde gerade aufgefordert, das Telefonat zu unterbrechen, wir können aber WhatsApp schicken. Super, manche lernen es nie. Die Verspätung nehmen wir mit nach Hamburg, unserem Zielflughafen. Der Weg zum Ausgang und zum Koffer ist lange. Alles geht sich wunderbar aus. Band 7. Noch ist alles ruhig vorm Kofferband. Wir warten. Wir warten immer noch und es ist ein Glück, dass ich die Verkaufsstelle für die Bahntickets finde und auch gleich die Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt kaufen kann.

 

Super. Mit dem Niedersachsen-Ticket bezahle ich für eine Fahrt nach Cuxhaven EUR 24,- und für jeden weiteren Mitfahrer (max. 5 zahlende Personen) je 5 Euro. Ich bin zufrieden. Allerdings müssen wir 2x umsteigen und die Zeit ist mehr als knapp bemessen. Aber was ist jetzt mit dem Koffer? Ein Hamburger spricht uns an und erklärt, dass das mit den Koffern in Hamburg immer eine halbe Ewigkeit dauert und wir uns nicht wundern brauchen. Hm? Langsam wird’s knapp mit der Zeit … Die Verbindung um 15:23 Uhr können wir vergessen. Endlich… das Kofferband beginnt zu laufen und Koffer um Koffer werden ausgespuckt. Da ist auch schon unserer … schnell, vielleicht erreichen wir die S-Bahn noch … ich laufe so gut es geht vor … Schmarrn, er fährt gerade aus dem Bahnhof. Kann man nichts machen, in 10 Min. geht die nächste Bahn.

 

Wir erreichen Hamburg Hauptbahnhof. Viele Leute wie immer, grauenvoller Bahnhof, dunkel, eng … modern ist anders, aber dafür viel Tradition. Leute laufen rechts und links an mir vorbei, schubsen, drängen … das mag ich gar nicht … Hamburg Hauptbahnhof ist für mich schrecklich. Ein Passant steigt mir auf die Zehe, ein anderer kollidiert mit meiner Ferse. Noch eine Treppe runter und geschafft. 13 Fahrminuten nach Harburg …. Dort läuft es ähnlich wie in Hamburg, Treppe rauf, Treppe runter und alles leider ohne Rolltreppe… um den Lift zu holen reicht die Zeit nicht. Der Zug steht schon da und wir sind leicht außer Atem, als wir ihn erreichen.

 

Durst! Auch zum Getränke kaufen ist die Zeit zu knapp. Im Zug kaufen wir Getränke, höre ich von Ewald. Na super, der Zug ist schmuddelig und voll. Einige Einzelplätze gibt es, Hurra. Ewald und ich können in einer Reihe Platz nehmen, allerdings nicht nebeneinander. Meinem Sitznachbarn scheint es nicht zu stören, dass ich mich mit Ewald unterhalte, während er zwischen uns sitzt und am Handy spielt. Platz tauschen will er nicht, Tsss - der Zug steht ja noch… Wir wissen noch nicht, dass wir bis zur Ankunft fast 18 Min. Verspätung aus verschiedensten Gründen haben werden. Mister Handy neben mir richtet sich scheinbar auch auf eine längere Fahrt ein. Schmarrn, muss ich länger neben ihm sitzen bleiben. Mein Durst wird immer mehr, ich geh mal auf Entdeckungstour. Da gibt’s doch sicher irgendwo irgendwas   zu trinken. Ich gehe in die eine Richtung … nichts …. In die andere Richtung, vorbei an meinem Platz und schau, das gibt es doch gar nicht … der mehr oder weniger nette Mann neben mir trinkt aus einer 1,5 l-Wasserflasche und da hat er drauf gewartet, dass ich weg bin … Ein Menschenfreund. Meinen Durst kann ich erst am Bahnhof in Cuxhaven stillen. Keine Fahrt mehr ohne Wasser! Das verspreche ich mir. Es ist bereits 18:15 Uhr.

 

Zum Hotel, ein charmantes Haus mit Flair, kommen wir mit dem Taxi. Unsere Freunde wollen uns auch sehr gerne abholen und ich bin sicher, die hätten das gerne gemacht, aber ich sehne mich danach, meine Beine kurz hoch zu lagern … Wir sehen uns später zum Essen. Na servus, die Treppe zu unserem Zimmer ist aber steil und eng. Dafür sehen wir aufs Meer – alles ist o.k. Ich bin in der Stadt angekommen, in der ich mir ein Leben vorstellen könnte.

 

Hunger stellt sich ein. Ingrid hat Tomatensuppe gemacht und nach einer sehr herzlichen Begrüßung werden wir richtig verwöhnt. Es gibt ganz viel zu erzählen. 4 Jahre haben wir uns nicht gesehen. Eis, Bier, Wein, … die Zeit verfliegt und es ist bereits nach Mitternacht, als wir müde ins Hotelbett fallen. Es war ein anstrengender Tag, aber das Wiedersehen mit I+I, der gelungene Abend, ... hat die Energie zurückgebracht. Vielen DANK, es war super. Das Programm für Freitag ist noch nicht ganz fix, mal sehen was spontan möglich ist.

 

Gute Nacht.

Eure Rena

 

Watt und Meer

 

7. Juni 2019

Nein!!!! Ich hab den Wecker falsch gestellt, er läutet eine Stunde früher als gewollt. Na gut, weil ich schon mal auf bin, beginne ich halt jetzt schon mein Morgenprogramm. 

 

Mein kleiner grüner Kaktus, …. Ewalds Handy läutet. Ingrid ruft an und spitze, wir haben noch Plätze im Wattwagen nach Neuwerk bekommen. Aber jetzt ein bisschen schnell. Ingrid holt uns gleich ab. Der Kutscher erwartet uns schon in Cuxhaven Sahlenburg, rasch rauf auf den Pferdewagen und los geht’s.

 

Auf dem Wattboden, der 2x täglich von der Nordsee freigegeben wird, traben die Pferdekutschen im Konvoi nach Neuwerk. Es ist faszinierend und sehr wackelig. Ich bin begeistert vom Wattmeer, das zu den letzten echten Naturlandschaften Mitteleuropas gehört. Unzählige Krebse, Muscheln und Wattwürmer leben hier. Es gäbe viel zu fotografieren, aber es ruckelt so, ich kann das Objektiv nicht scharf stellen. Ich drück einfach ab und mache ein Foto nach dem anderen. Das eine oder andere wird wohl schon was werden.

Das Wetter passt perfekt, wir sind gut gelaunt und ich fühle mich frei und glücklich … auch Bruno, dem Kutscher und den Pferden geht‘s gut. Für die Tiere, reine Arbeitstiere, ursprünglich Hannoveraner, die heute längst nicht mehr reinrassig sind, stellt die Fahrt mit der Kutsche keine große Belastung dar und das Traben im jodhaltigen Salzwasser ist für die Hufe sogar gesund. Es ist uns wichtig, dass die Pferde auch ausreichend Zeit auf der Koppel verbringen dürfen und das kann uns Bruno bestätigen. Also alles gut und wir erfreuen uns an der außergewöhnlichen Fahrt.

 

Die Insel Neuwerk, eigentlich nur ein kleines Dorf im Wattmeer, insg. ca. 30 Einwohnern, liegt etwa 10 km vor Cuxhaven und gehört zu Hamburg. Es schaut aus, als wenn die Insel ganz nah wäre, aber das täuscht und es dauert mehr als eine Stunde, bis wir dort ankommen. Wer uns schon kennt, weiß, dass wir erst Pause machen, nachdem wir die Highlights gesehen haben. Der 45 Meter hohe Leuchtturm, das Wahrzeichen der Insel, ist schon längst sichtbar, funktioniert immer noch, wird aber nicht mehr genutzt. Sehr idyllisch. Grüne Wiesen, ein Hahn kräht, auf der Koppel tummeln sich Pferde, …

 

Das Frühstück war sehr liebevoll vorbereitet, aber mein Wunsch nach Krabben, … wurde leider nicht erfüllt. Vielleicht gibt es ja in Neuwerk die Möglichkeit zu einem kleinen 2. Frühstück? Super, auf der Karte finde ich einige Speisen, die ich gerne versuchen möchte, die Zeit drängt und ich bestelle Krabbenbrot ohne Butter. Mmmh, sehr frisch (sagt Ingo) und wirklich gut, aber fast zu viel.

 

Ein Glück. Wir vier sind die einzigen Fahrgäste auf unserer Kutsche und ich darf neben dem Kutscher Platz nehmen. Ich freu mich sehr und hoffe auf viele schöne Fotos. Wir erreich das Watt und es ist unverkennbar, das Wasser steigt bereits leicht. Die Pferde traben dahin, durch Matsch, durch Wasser. Der Boden der Kutsche liegt in einer Höhe von 136 cm und ich bin beeindruckt. Die Kutsche kann eine Fahrt bis Wasserhöhe 145 cm bewältigen. Ganz sicher will ICH da nicht dabei sein. Das scheint mir doch schon sehr abenteuerlich zu sein.

 

Neben den Pferdekutschen gibt es auch viele Wanderer, manche mit Schuhen, vorzugsweise Gummischuhe, manche barfuß, was aufgrund der Muschelbänke sicher nicht empfehlenswert ist. Für mich schwer vorstellbar, aber es kommt immer wieder vor, dass Fußgänger von der Flut überrascht werden. Für die stehen jedenfalls Rettungsbaken zur Verfügung, auf die sie sich flüchten können. 

 

Ein Klecks auf meine Brille … was ist das jetzt? Die Pferde bewegen sich gerade durch den Schlamm und das spritzt bis in mein Gesicht. Die Tasche, mein Kleid, … die kleinen Spritzer werden immer mehr und ich hülle mich bis zum Hals in die Decke ein, die der Betreiber der Kutschen freundlicherweise zur Verfügung stellt. Vielleicht kann ich damit das Schlimmste verhindern. Schlussendlich ist der Schlamm auf mir getrocknet, ließ sich mühelos entfernen und war keine Rede mehr wert.

 

Die Fahrt hat uns ganz schön durchgerüttelt, aber mir gehts super gut. Die Sonne lacht und wir genießen den frühen Nachmittag im wunderschönen Garten bei unseren Freunden, trinken Kaffee, reden über unsere Reisen und haben es richtig schön und gemütlich.

 

Wie könnten wir den restlichen Tag noch sinnvoll nutzen? I+I sind für alle unsere Wünsche, Pläne und Ideen offen. Ja, da war doch noch was, ein Tipp auf der Hotelinfo ... Schloss Ritzebüttel in der Innenstadt, bis heute kultureller Kern der Stadt Cuxhaven. Im Vergleich zu Wien dürfen wir uns nicht zu viel erwarten vom Schloss, bereiten uns I+I jetzt schon vor. Wir sehen es als weitere kleine Facette in der Geschichte der Stadt.

 

Im Sinne der Sicherheit wurden zahlreiche innerstädtische Straßen als Tempo-30-Zonen ausgewiesen.Ganz vorschriftsmäßig und korrekt fahren wir mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit (ich würde hier wahrscheinlich täglich ins Radar fahren) auf den Parkplatz. Oh, hier riecht es ein bisschen streng, was sich durch die Fischverwertung erklären lässt. Den Geruch kenne ich nicht, muss heute vielleicht ein spezieller Wind sein. Nicht so schlimm, war nur momentan.

 

Schön restaurierte alte Gebäude, die Kirche, ein kleiner Park, ... all das begeistert mich und kurz drauf stehen wir auch schon vor Schloss Ritzebüttel. Idyllisch gelegen, hat das Schlösschen als beliebte Hochzeitslocation sicher die richtige Bestimmung gefunden, nebenan ein Restaurant und das war’s dann auch. Super, wieder was Neues gesehen. Am Weg ins Hotel machen wir noch eine kleine Hafenrundfahrt, schauen den Skippern bei den Vorbereitungen für die Regatta nach Helgoland zu ... traumhaft. Wer mich schon etwas kennt, der weiß, dass im Hafen mein Herz aufgeht. Überhaupt liebe ich Nord- und Ostseeküste und würde hier am liebsten für länger bleiben... für ganz lang ? Herrliche Fischgerichte, angenehme Temperaturen, ...

 

Wir haben heute schon viel erlebt und ich freue mich über etwas Ruhe im Hotel.

 

Abendessen mit I+I gibt es heute wieder im Fischereihafen Restaurant, das kennen wir schon, die bieten konstant hohe Qualität ... und das ist auch so geblieben. Fischsuppe, Dreierlei vom Fisch - sehr köstlich, große Portionen. Da geht sich ein Dessert leider nicht mehr aus.

 

1000 Eindrücke bleiben von diesem schönen Tag und mit den Erinnerungen daran schlafe ich ein. Draußen geht ein Gewitter nieder und ich kuschle mich ins gemütliche Bett.

 

Gute Nacht und liebe Grüße 

Eure Rena 

Cuxi macht glücklich

 

8. Juni 2019

Ja, genau, so stell ich mir das vor. Graue Wolken, Sturmböen - auch so muss Cuxhaven sein. Wir ziehen uns warm an und los geht’s, raus ins echte Leben. Heute am Vormittag sind wir allein unterwegs. Ein bisschen kennen wir die Stadt ja schon und da ist das ganz nett.  Oh, der Wind bläst uns fast vom Deich und ich hake mich fest bei Ewald unter. Vor der Bäckerei in der Schillerstraße macht sich ein Rollator selbstständig. Ich fange eine davonfliegende leere Einkaufstasche ein und wir einigen uns auf eine Pause mit Kaffee und Kuchen.

 

Auch nach unserem kleinen Einkehrschwung bleibt es draußen ungemütlich und wir wollen nur zurück ins Hotel, verzichten sogar darauf, unserer lieben Gastgeberin Blumen zu besorgen.

Noch schnell die Haare etwas in Form bringen, was heute eh nichts bringt, und schon werden wir zum Mittagessen bei den beiden „Is“ eingeladen. T+B kommen auch und ich bin schon aufgeregt gespannt auf das Wiedersehen. Herzliche Begrüßung, fantastisches Essen ... einmalig.

 

Kurz hat es geregnet, jetzt ist es wieder trocken und jeder sehnt sich nach Bewegung in der frischen Luft. Wir spazieren über das Wattenmeer Besucherzentrum zum Strand.  Unglaublich, tiefhängende Wolken, Sturmböen und zahlreiche Kitesurfer, die sich mehr oder weniger elegant und rasend schnell übers Wasser bewegen, dabei kann ich immer wieder spektakuläre Sprünge beobachten. Ein tolles Schauspiel. Nichts hält mich mehr. Raus aus den Schuhen, Sand zwischen den Zehen spüren ... das macht gute Laune, das macht Spaß. Ich finde das herrlich. 

 

Ein kleiner Spaziergang durch den Wald und wir sind wieder bei I+I daheim angekommen. Interessant, wie sich der Himmel verändert hat. Die schwarzen Wolken haben sich total aufgelöst und Platz gemacht für blauen Himmel und ein paar weißen Wölkchen. Bei Sachertorte und Kaffee freuen wir uns über die deutsch-österreichische Freundschaft, die mittlerweile seit 27 Jahren besteht und das soll und wird auch so bleiben - ehrlich, ungezwungen und respektvoll.

 

Es war so schön bei euch. Vielen vielen Dank für die herzliche Gastfreundschaft, die ihresgleichen sucht. Nächstes Mal sehen wir uns in Österreich und darauf freue ich mich jetzt schon. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Danke und Tschüss. Bleibt gesund

 

Der Abschied fällt mir schwer.

Alles Liebe und Gute 

Eure Rena

 

Moin in Hamburg

 

9. Juni 2019

Die Sonne blinzelt durch die Vorhänge ... oje, schon wieder Sonntag und Sonntag heißt in diesem Urlaub Abreisetag. Das Frühstück ist wie immer nett und viel, aber ich habe mich halt auf eine großzügige Fischauswahl gefreut und darauf muss ich leider verzichteten. 5 Brötchen (bereits aufgeschnitten), 1 Hörnchen (Kipferl auf österreichisch), alles warm, dazu noch 2 Schnitten Brot, offene Butter mit Stempel, 2 Sorten Marmelade im Schälchen und Honig - das alles steht schon auf jedem 2er-Tisch zum Zugreifen bereit. Dazu bekommt jeder Gast automatisch ein 3-Minuten-Ei serviert, das unter einem selbst gehäkeltem Eierwärmer auf den Verzehr wartet, ein Teller mit Käse und Wurst wird ebenfalls ohne Bestellung serviert. Ein kleines Buffet mit Obst, Gemüse, Lachs, Cerealien und Nutella lockt zusätzlich. Viel zu viel und dann doch zu wenig (Fische).

 

Keine Kreditkarte? Oje, aber im Internet gibt es eine gegenteilige Info. Hm? Die Dame des Hauses ist freundlich und bietet Zahlung per Überweisung an. Können Sie uns bitte noch ein Minicar zum Bahnhof bestellen? Telefon 32500. Um Gottes Willen, meint sie besorgt, ich will Sie ja nicht in den Tod fahren lassen. Die fahren ja bei Rot über die Kreuzung und die Bremsen funktionieren oft auch nicht. So wie es aussieht, hatten wir mit den Minicars bisher Glück. Wir haben uns auch immer sehr wohl damit gefühlt.

 

Ein letzter Blick noch über die herrliche Bucht, verbunden mit einem kleinen Seufzer. Ich würde sehr gerne länger bleiben, aber keine Zeit für Fantasien. Das Taxi ist da. Schöne Pfingsten, ruft der Fahrer zu, zwar nicht gerade freundlich, aber höflich. Er findet unseren Blick wohl fragend. Haben Sie mich nicht verstanden? vergewissert er sich. Doch! Ja, schon! Na eben, Sie wünschen ja auch frohe Ostern, oder? Gehört dazu. Okay! Bevor er weiter erklärt, stelle ich fest und sag ihm, dass Deutschland wahrscheinlich netter ist als Österreich ? er freut sich.

 

Schnell sind wir am Bahnhof angekommen, ich hab Probleme mit der Schiebetür und bitte den Fahrer, die Türe zu schließen. Ui, so einfach lässt der mich nicht gehen... schauen Sie her, beim nächsten Mal können Sie das dann. Kostenlose Lehrstunde am Pfingstsonntag ? Dankeschön.

 

 

Der Zug steht schon bereit, wir suchen einen Platz... iii, das stinkt hier aber nach Stall.... zum Glück gibt es in anderen - geruchlosen - Waggons noch ausreichend Plätze.

 

Lärmende Fahrgäste, große und kleine ... mit Musik in den Ohren lasse ich das weite und ebene Land an mir vorbeiziehen, denke an die gemütlichen Stunden in Cuxhaven zurück, erinnere mich an Geschichten vom Alten Land und schaue dabei in Höhe Stade Richtung Elbe.

 

Der Zug fährt uns direkt zum Hauptbahnhof in Hamburg - das ist natürlich angenehm. Wir geben den Koffer für EUR 5,- im Reisezentrum am Bahnhof zur Verwahrung ab und freuen uns auf einen sonntäglichen Stadtbummel. Die Sonne tut ihr Bestes, trotzdem ist mir nicht wirklich warm. Muss das erst kalt sein - in beinah jedem Hauseingang liegen Obdachlose, warm verpackt in ihrem Schlafsack. Ich bin schockiert. In diesem Ausmaß kenne ich das nicht. Und wo sind die vielen Wasserträger? Die bunten Figuren waren für mich immer fixer Bestandteil von Hamburg. Ah, da ist ja einer - Superman schaut vom Dach auf uns herab.

 

Kaffee oder doch Mittagessen? Wir finden ein nettes Plätzchen direkt am Wasser, der Kellner reicht uns die Speisekarte. Nein. Danke. Syrische Spezialitäten brauche ich gerade nicht. Also doch Kaffee und Kuchen. Mmmmh, Stachelbeere-Baiser-Torte, da brauch ich nicht mehr überlegen, dazu ein schönes Plätzchen in den Alsterarkaden, die Sonne hat an Kraft zugelegt ... herrlich.

 

Der Spaziergang führt uns weiter über den Neuen Wall, Jungfernstieg, Rathausplatz - die klassische Runde halt - zurück zum Bahnhof und direkt zu Gosch. Ein bisschen Aal muss unbedingt sein ? Wir haben Zeit über Zeit und trödeln zur S-Bahn, die uns zügig zum Flughafen bringt.

 

Leider geht’s auch diesmal nicht ohne Verspätung und so ist es Mitternacht, bis wir gesund und zufrieden daheim ankommen. Schön war’s – sehr schön. Auf unser nächstes Wiedersehen will ich nicht so lange warten.

 

Die nächsten Wochen werden wir wohl weniger verreisen, Pläne und sogar eine fixe Buchung gibt es aber bereits. Bleibt neugierig, Schaut immer wieder mal auf meiner Seite vorbei – ich freu mich. Schönen Sommer, alles Gute, bis bald.

 

Eure Rena

 

Kommentare

I + I schrieben

Liebe Rena, sagenhaft, was du in dieser Kürze speichern und wiedergeben kannst. Super Berichterstattung. So detailliert - einfach toll. 

Nur gut, dass ihr mit dem Mini-Car heil angekommen seid. Wir hätten uns 
große Vorwürfe gemacht bezüglich dieser „Sparfuchs-Empfehlung“.

Jetzt können wir nur hoffen, dass du dein Schreib- und Fotografie-Talent weiter pflegen wirst und wir davon profitieren können. Es wäre dein größter Fehler " aufzugeben". 

Alles Liebe und Gute. Bleibt ihr BEIDE so wie ihr seid.
Eure I + I

 

Sis. schrieb

Toller Bericht - wie immer ?
Würde mich auch einmal sehr interessieren.
Du solltest mal Bücher schreiben, da man deine Erzählungen gedanklich stets richtig miterleben kann!
Danke!
LG von deiner Sister in Gips

 

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© Rena Hackl | 4320 Perg | mail@renahackl.at | foto@renahackl.at