Wachau - wir leben auf.

 

Nach einem Jahr Pause freuen wir uns auf ein paar Tage in der Region zwischen Melk und Krems. Weine höchster Qualität, Steinterrassen, einzigartige Landschaft, charmante Winzerorte, schmackhafte Heurigenjause, … das und noch viel mehr verbinden wir mit der Wachau. Komm wieder mit, erlebe mit uns die Urlaubstage rund um die Zeit der Marillenernte.

 

Die Gastgeber der Wachau freuen sich ebenso auf uns, wie wir uns auf sie freuen.

 

14. Juli 2021

Hurra, es geht wieder los. Ich freu mich schon sehr auf unseren Kurzurlaub in Spitz in der Wachau. Heuer wollten wir den Spitzer Marillenkirtag live erleben und haben bereits im Vorjahr dafür Zimmer reserviert. Leider wurde dieses Fest nun zum dritten Mal in seiner 70 jährigen Geschichte abgesagt, die behördlichen Auflagen für Veranstaltungen zwingen die Organisatoren dazu. Sehr schade, aber der Schutz der Gäste hat in Zeiten der Pandemie höchste Priorität.

 

Vielleicht ist es eh besser so. Die offizielle Marillenernte kann wetterbedingt heuer erst ab Mitte Juli, also nach dem geplanten Fest, stattfinden, außerdem lassen mehrere Frostnächte und Hagel auf einen geringen Ertrag schließen. Kein optimales Jahr für ein Marillenkirtags-Jubiläum.

Noch dazu kommt, dass die Wetterprognose nicht ideal ist. Das hat mich schon beim Kofferpacken vor eine kleine Herausforderung gestellt. Wird’s warm, wird’s eher kühl? „Hilfe, hast du Steine im Koffer?“ fragt Ewald, als er den Koffer ins Auto hebt.

Wir wollen auf gut Glück direkt zur Ruine Aggstein fahren. Die Aussicht vom Wachauer Wahrzeichen soll einzigartig sein, und, fast nicht zu glauben, ich kenne sie bisher nur vom Vorbeifahren. Wir gehen mal davon aus, dass sich das Grau am Himmel im Osten in ein Blau verwandelt und fahren gut gelaunt los.


Nein, wir nehmen heute nicht die Autobahn, wollen die Landschaft und Natur genießen … oje, war das eine gute Idee? Vor uns ein Fahrschul-LKW, der nicht nur die erlaubte Geschwindigkeit bedeutend unterschreitet, sondern auch die gesamte Straßenbreite für sich in Anspruch nimmt und mehr als einmal schlage ich die Hände vor dem Kopf zusammen und habe schon schrecklichste Bilder vorm geistigen Auge. Alles ist sich ausgegangen, wir sind aber beide froh, als der LKW nach mehreren Kilometern endlich blinkt und eine andere Richtung einschlägt und wir ab sofort zügig vorankommen.  Aggstein ja? Aggstein nein? Macht ein Besuch dort bei dem Wetter Sinn? Wir wollen das bei einer kleinen Pause in Grein in Ruhe überlegen.


Am Horizont in Richtung Wachau glauben wir eine hellere Stelle am Himmel entdeckt zu haben und beschließen, im Navi das Sonderziel „Burgruine Aggstein“ einzugeben und es war tatsächlich die richtige Entscheidung. Wir erreichen den Parkplatz der Ruine später als gedacht . Den steilen Wanderweg zur Burg ziehen wir sowieso nicht in Betracht und folgen dafür der schmäler werdenden Straße, die sich den Berg raufschlängelt. Ist viel los am Parkplatz vor dem Eingang. Es geht aber schnell an der Kassa. Wir kaufen 2 Erwachsenentickets zu je EUR 7,50, starten in Eigenregie los und freuen uns auf ein sagenhaftes Burgerlebnis, zumindest verspricht das die Broschüre, die wir am Eingang erhalten. Ein paar Kinder springen aufgeregt herum, für die gibt es 4 Spielrouten mit Rätseln.

Die Aussicht von Österreichs berühmtester Burgruine auf das Weltkulturerbe Wachau ist wirklich einzigartig und auch das Wetter zeigt sich von der besten Seite mit malerischer Wolkenstimmung, die dramatische Bilder erzeugt.

 

Oje, das war jetzt ein Fehler! Ein Blick nach unten auf einem der zahlreichen Sichtstege hat mich plötzlich verunsichert und ich merke wie meine Knie wackelig werden. „Ewald bitte, lass mich halten und bleib bei mir.“ Geht schon wieder. Die Holztreppen sind massiv und auf stabilen Untergrund. Es kann nichts passieren, eine leichte Unsicherheit bleibt trotzdem bei mir. Puh, da geh ich aber nicht rauf, bin ich überzeugt, und suche mir eine geschützte Stelle, an der ich andere Besucher nicht am Weitergehen hindere und in Ruhe warten kann. „Komm rauf, das zahlt sich wirklich aus“, ruft mir Ewald zu. Ordensschwester Miriam, ich habe ihren Namen gehört, als sie sich ihrer Reisegruppe vorgestellt hat, ermuntert mich zusätzlich. Auch sie hatte früher großen Respekt vor der Höhe und weiche Knie, erzählt sich mir aufmunternd und ich reiß mich zusammen, steige die Holztreppe rauf und es hat sich wirklich ausgezahlt. Es ist traumhaft schön, die Aussicht wunderbar. Wir spazieren staunend durch die geschichtsträchtige Anlage, lesen Interessante Details auf den Infotafeln, widerstehen den kulinarischen Verlockungen der Taverne und setzen bald unseren Weg nach Spitz fort.

Komisch, die vom Navi angezeigte Fahrzeit und Kilometeranzahl scheinen uns nicht stimmig und wir rätseln, wie das sein kann und schneller als gedacht, zeigt sich uns auch schon die Lösung - der Weg führt uns zur Fähre, die die Orte Spitz und Arnsdorf auf dem Wasserweg verbindet. Super, eine neue Erfahrung. 2 Autos und einige Radfahrer warten bereits. Wann kommt die Fähre? Wann fährt sie? Nirgendwo findet sich ein aussagekräftiger Hinweis dazu. Wir warten einfach. Und da tut sich auch schon etwas am gegenüberliegenden Ufer und wir können zusehen, wie die Fähre in Spitz ablegt, direkt auf uns zusteuert und nach wenigen Minuten vor uns anlegt. Ich mag das Feeling auf dem Wasser, Augen zu, in Gedanken auf dem Meer sein und genießen. Ist leider nur ein kurzer Genuss, im Nu haben wir Spitz erreicht und 5 Minuten später das Boutiquehotel WeinSpitz uns es ist wie nach Hause kommen. Wir freuen uns über das Wiedersehen mit Familie Donabaum und hoffen, dass es allen gut geht, auch Oma und Opa wohlauf sind. 

 

Anmelden, 3G-Nachweis vorzeigen, Auto in die Garage, das vereinbarte reservierte Zimmer ist angenehm gekühlt und bezugsfertig. Alles bestens und ich fühle mich vom ersten Augenblick an wieder wohl und auch der Blick auf Pool und die Weinberge strahlt Ruhe und die Gemütlichkeit aus, die uns ein Jahr lang äußerst positiv in Erinnerung geblieben ist. Schnell auspacken und ab ins Wasser. Besser geht’s nicht. Alles wie schon im Vorjahr erlebt, modern und junges Ambiente, nur neue schicke Outdoor-Möbel, neue Sonnenschirme, die sich dank Rollen und genialer Mechanik kinderleicht bewegen lassen. Super. 

 

Leichter Hunger meldet sich, wir reservieren einen Tisch im GH Prankl. Schade, wir bekommen nur noch einen Platz im Garten, separiert von der Gästeterrasse und es fühlt sich irgendwie wie „abgestellt“ an und das Verhalten der anderen Gartengäste zeigt, dass sie ähnlich denken. Die Vorfreude auf die Fischsuppe lässt die Enttäuschung verblassen. Service ist top, Suppe entspricht leider nicht meinen Erwartungen, dafür schmecken die Gnocci mit Pilzen hervorragend. Kühle Windböen verhindern eine abendliche Gemütlichkeit und wir freuen uns, als wir im Hotel auf sympathische Gäste aus dem Raum Speyer treffen und gemeinsam einen lustigen Abend verbringen.

 

15. Juli 2021

Mmh, ich habe gut geschlafen und freu mich aufs Frühstück, besonders auf frische Wachauerweckerl, Marillensaft, Marillen aus den Gärten der Familie Donabaum, selbstgemachte Marmeladen, herrliches Räucherfleisch und und und … ich bin gerne eine Genießerin.

Schade, das gesellige Paar vom gestrigen Abend reist heute schon ab und wir müssen uns leider verabschieden. Gute Reise Karin und Rowald, vielleicht sehen wir uns irgendwann irgendwo wieder.

 

Auf uns wartet heute das Gipfelkreuz des Tausendeimerberges. Der ca. 314 m hohe Felskegel ist von den ältesten Häusern des Ortes umrundet und gilt als markantes Wahrzeichen der Marktgemeinde Spitz. Woher kommt dieser eigentümliche Name?  Meine Internetrecherchen sagen, dass die Menge der geernteten Weintrauben in guten Jahren bis zu eintausend Eimern Wein eingebracht hat, also ca. 56.000 Liter. Die steilen Steinterrassen bieten ausgezeichnete Bedingungen besonders für Riesling und Neuburger.

 

Mehrere markierte Wege führen den Berg hoch und vor allem für den steilen Abstieg wird festes Schuhwerk empfohlen. Meine Knie freuen sich sicher auch über meine neuen Wanderstöcke. Los geht’s. Der von uns gewählte Weg ist asphaltiert, aber steil. Ein älterer Mann begegnet uns. „Grias eich“ begrüßt er uns schon aus der Ferne, „woher kommts?“  Im kurzen Smalltalk erzählt er über die schwere Arbeit der Winzer, er selbst wird heute den Boden um die jungen Weinstöcke hacken und dann schildert er vom Unwetter am 20. Juli 2020. „Alles war kaputt, im Vorjahr der Hagel, heuer hat der Frost große Teile der Blüten und damit der künftigen Ernte vernichtet.“ Uns ist bewusst, wie hart die Arbeit der Weinbauern ist, wie schonungslos Unwetter zuschlagen können und wie in kurzer Zeit Existenzen zerstört werden können. Unser Mitgefühl und Verständnis ist ehrlich, aber natürlich kein Trost für einen Mann, der sein Leben lang hart für seinen Lebensunterhalt gearbeitet hat. Wir verabschieden uns und folgen dem Weg zum Gipfel. Dort werden wir mit einem schönen Ausblicken auf die Donau bzw. in die Wachau belohnt.

 

Am Rückweg sehen wir den alten Mann hacken, er winkt und lächelt uns zu. Ich freu mich drüber und bin beschwingt am Weg in den Ort, es ist Zeit für eine kleine Pause, ein erfrischendes Getränk. 

Darf ich vorstellen“, scheinbar ist es die Chefin des Cafés, die mit einer jungen Kollegin zu uns an den Tisch kommt, „das ist unsere Praktikantin, sie kommt aus Vorarlberg, hat heute ihren ersten Arbeitstag bei uns und Sie sind ihre ersten Gäste“. Schön. Wir wünschen ihr alles Gute, sie lächelt und ich habe das Gefühl, wir konnten ihr ihre Anfangsnervosität etwas nehmen. 

 

Im Hotel wartet Erfrischung im Pool auf uns. Die Oma des Hauses hat Marillenkuchen gebacken und ich freue mich und genieße ihn. Sehr gut schmeckt er, auch wenn er heute ohne Schaumhaube gemacht ist und es für Oma eine enorme Anstrengung bedeutet, aber sie ist eine Kämpferin und freut sich, wenn ihre Köstlichkeiten Anklang finden. Der Opa des Hauses hat unsere Illusionen von ein paar Kilo Marillen zum Mitnehmen leider aus dem Weg geräumt. Wie gesagt, es ist heuer erstens noch zu früh für die große Ernte und zweitens hat der Frost viel zerstört und die spärliche Ernte bleibt für den Eigenbedarf. Schade, umso mehr genieße ich den Kuchen mit den frischen Wachauer Marillen.

 

Ein herrlicher Urlaubstag bis jetzt und am Abend spazieren wir erneut in den Ort. Wir haben einen Tisch beim Özi, dem Heurigen Özelt, reserviert. Viel Gutes haben wir darüber gehört, für uns war er bisher nicht so ansprechend, aber wir lassen uns gerne überraschen. Der Kirchenplatz ist heuer noch immer Baustelle, die Pflasterarbeiten scheinen nicht wirklich voranzugehen und diese Baustelle zieht sich bis zum Heurigen. Hm? Kann sich dahinter tatsächlich ein positives Erlebnis verbergen? Wir sind skeptisch, betreten eher freudlos den Hof des Gebäudes. Am Ende führt eine enge Treppe nach oben, es wird heller und wow, das ist wirklich eine unerwartete Überraschung. Eine Terrasse, die gemütlicher nicht sein könnte, mit einer Aussicht bis zur Donau. Top! Eine Tafel am Eingang bittet uns höflich „Bitte zeigen Sie uns Ihren 3-G-Nachweis! DANKE“, wir zeigen den grünen Pass am Handy und bekommen einen Platz am Tisch eines älteren Ehepaares zugewiesen. Die beiden kommen aus Chemnitz und sind leider schon fertig mit dem Essen und am Sprung. "Dazusetzen", das ist beim Heurigen normal, wenn auch manchmal befremdlich, meistens wird’s nett und gesellig und genauso entwickelt sich der heutige Abend weiter. Die Chemnitzer sind gegangen, ein Paar aus Bayern wird jetzt vom Kellner zu uns an den Tisch gebracht, schnell finden wir Gesprächsthemen, geben Tipps zur Wachau und den kulinarischen Spezialitäten. Witzig finde ich die Frau … sie hat tatsächlich Bedenken, dass ihr bewährter Aprikosenkuchen mit österreichischen Marillen nicht so gut gelingt. Hihi! „Glaubst du wirklich, dass ich mit Marillen auch so guten Streuselkuchen backen kann wie mit den Aprikosen?“ fragt sie mehrmals und wir amüsieren uns am Heimweg noch über diese Frage, denn wir wissen: Marille ist die österreichische Bezeichnung für Aprikose, auch wenn die deutsche Urlauberin das nicht glauben wollte.

 

Danke, auch der 2. Urlaubstag ist sehr gelungen und wir fallen müde und zufrieden ins angenehme Bett im herrlich klimatisierten Zimmer.

 

16. Juli 2021

Es schaut wieder nach einem schönen Tag aus. Wir wollen ihn bestmöglich nutzen und besprechen beim Frühstück die Möglichkeiten. Die Wachauer Nase in St. Lorenz, mittlerweile auch ein Wahrzeichen der Wachau, reizt uns. Wenn wir mit dem Auto hinfahren, sind wir schnell wieder zurück und Bewegung hatten wir auch nicht wirklich. Eine Möglichkeit fällt mir ein, weiß zwar nicht, ob ich meinen Knien damit was Gutes tu, aber zu meiner Idee gäbe es variable Optionen. „Ewald, wie lange brauchst du noch? Ich habe einen Vorschlag. Wir fahren mit dem Bus nach Weißenkirchen, nehmen die Fähre, kommen bei der Nase an, spazieren dann am Treppelweg zur nächsten Fährmöglichkeit nach Spitz, das sind ca. 6 km und dann retour ins Hotel. Was meinst?!“ Er ist einverstanden und schon geht’s los. Wo genau ist die nächstgelegene Bushaltestelle. Keine Zeit zum Recherchieren, aber genügend Zeit um an die Donau zu kommen, dort findet sich sicher eine Einstiegstelle.

 

Super, der Opa des Hauses kommt uns entgegen und ich frag kurz, ob er unsere Idee gut findet. „ja, kann man machen“ bekomme ich zur Antwort. Na gut, begeistert scheint er nicht davon zu sein, wir machen es trotzdem. Zügig nehmen wir den Weg zur Bushaltestelle, dabei diskutieren wir über die Möglichkeit, den Weg „umzudrehen“, zuerst Fähre, dann Bus, aber die Fähre hat gerade abgelegt und so bleibt eh nur der Bus. Ah, da kommt er schon. Er bremst und der Fahrer fragt uns nach unserem Wunschziel. Nein, in Weißenkirchen bleibt er nicht stehen, er fährt den Schnellbus nach Krems. Aha, so eine Verbindung gibt es also auch. Interessant. 10 Minuten später geht’s dann für uns los. Wir sind die einzigen Fahrgäste und nach kurzer Fahrt haben wir unser Ziel erreicht. Die Fähre kommt gerade in unsere Richtung. Schnell, wo können wir im Ort Wasser kaufen? Keine Zeit zum Rumzutrödeln. Ewald läuft ins nächstgelegene Café, ich sehe den Radfahrern, Autos und Wanderern zu, wie sie die Fähre verlassen bzw. betreten und plötzlich habe ich das Gefühl, dass wir uns beeilen sollten.

Schnell, komm, ich denke, die Fähre legt bald ab“, rufe ich Ewald zu und wir eilen so rasch als möglich zum Einstieg. Geschafft.

Wann fahren wir ab?“ frage ich den Kapitän oder wie auch immer die genaue Bezeichnung des Fährmanns ist und erfahre, dass es keine fixen Zeiten gibt – eher nach Bedarf. Da haben wir also Glück gehabt. Fahrkarten kaufen (EUR 2,-/Person) und schon legen wir ab. Die Wachauer Nase konnten wir schon aus dem Bus sehen und jetzt kommen wir ihr immer näher. Nach wenigen Minuten erreichen wir das Ufer. Autos und Radfahrer dürfen die Fähre vor den Fußgängern verlassen, niemand scheint an dem Wahrzeichen Interesse zu haben und so haben wir die Nase für uns alleine, machen ein paar Fotos, orientieren uns an der Infotafel und nehmen den Treppelweg Richtung Spitz bzw. Arnsdorf, von wo wir nach Spitz übersetzen.

 

Schön ist es hier an der Donau, aber Vorsicht, wir teilen uns den Weg mit zahlreichen Radfahrern. Oje, der Weg führt weg vom Ufer und wir müssen neben der Bundesstraße marschieren. Wie ich am Plan gesehen habe, ist das aber nur ein Teilstück und bald werden wir die Donau wieder an unserer rechten Seite haben. Es ist wenig Verkehr und der Treppelweg ist gut abgegrenzt, trotzdem freuen wir uns, als der Weg wieder einen ruhigeren Verlauf nimmt. Die Freude währt nicht lange. Aus der Ferne sehen wir Baustellenschilder und jetzt wird es ungemütlich, wir müssen am Rand der Bundesstraße spazieren und die Straßen sind nicht wirklich breit. Zumindest verhindern Ortschaften und der kurvige Verlauf gefährliche Raserei, lustig ist es trotzdem nicht. Wir gehen und gehen und scheinbar ist das eine neverending-Baustelle. Ich werde immer schneller, bin froh, wieder von der Bundesstraße wegzukommen. Endlich, das letzte Stück ist wieder gemütlich und ganz nach meinen Vorstellungen. Nein, ich will hier keine Pause machen, dunkle Wolken türmen sich über der Donau auf, wir sind noch ca. 20 Gehminuten vom Hotel entfernt und ich kann es erwarten, gemütlich am Hotelpool einen Affogato al caffè zu genießen und vielleicht gibt es Marillenkuchen mit Schaum, gebacken von der Oma.

 

Ja, mein Wunsch wird erfüllt, der Kuchen ist bereits in Arbeit und mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen. „Der Kuchen ist in 1 Stunde fertig, Oma muss nur noch den Schaum machen“, stellt Enkelin Julia in Aussicht. Herrlich, eine schöne Belohnung für den mühsamen Weg. Am liebsten würde ich 2 Stück bestellen, flüstere ich Ewald zu, aber so viel Sünde darf nicht sein.

 

„Kuchen ist fertig, ich bring gleich 2 Stücke“ hören wir aus der Bar … Ewald grinst, 2 herrliche Kuchenstücke werden serviert und Ewald schiebt seinen Teller zu mir. Ich kann gar nichts dafür, esse aber mit höchstem Genuss beide Stücke, die noch leicht lauwarm sind. Für so eine Gaumenfreude vergesse ich leider meine Vernunft. Mhhhh, sehr köstlich. Ich bereue nichts, nehme mir nur vor, mich beim Abendessen zurückzuhalten. Ein bisschen unwohl fühle ich mich wegen Oma, ich hoffe, dass sie sich nicht meinetwegen zu sehr gestresst hat. Jedenfalls ein großes Dankeschön an Oma.

 

Abends haben wir einen Tisch bei einem nahgelegenen Heurigen reserviert. Schon wieder gehen, noch dazu bergauf, aber der Weg ist kurz … schwül ist es, sehr schwül. Der für uns geplante Tisch ist noch besetzt, wir bekommen Plätze bei einem jungen österreichischen Paar zugewiesen. Hm? Uns schwappt nicht gerade eine Sympathiewelle von den beiden entgegen, das wird vielleicht noch. Wir geben die Bestellung auf, freuen uns über die Aussicht, die Sonne, … Das Essen wird in Kürze serviert, schmeckt sehr gut, aber die Konversation mit unseren Tischnachbarn beschränkt sich auf ein höfliches „Guten Appetit“ und das ist eh gut so, denn was wir an Gesprächsteilen aufschnappen, sind unsere Meinungen sehr konträr. Der Wein ist sicher von ausgezeichneter Qualität, aber wir freuen uns auf ein gemütliches Achterl Strawanzer im Hotel in netter Gesellschaft.

 

Julia hat Bardienst und wir verbringen einen gemütlichen Abend, erzählen von unseren Reisen, erfahren Interessantes über den Weinanbau und mehr. Ja, wir wissen, warum wir gerne im Hotel Weinspitz, bei der Familie Donabaum, Urlaub machen. Der Abend ist lau und niemand kann sich vorstellen, dass der vorausgesagte Wettersturz tatsächlich stattfinden wird.

 

17. Juli 2021

Aha, kein Regen, scheinbar hat es nur während der Nachstunden Niederschlag geben. Abkühlung ist auch keine zu bemerken. Ja, gut so. Wir wollen nach dem Frühstück nach Krems fahren, vielleicht werden irgendwo Wachauer Marillen zum Verkauf angeboten. Ein paar Kilo für Helene und mich wären schon fein. Es geht schließlich nichts über selbstgemachte Marillenmarmelade. Wir genießen das herrliche Frühstück, überlegen, wo wir zu Früchten kommen könnten, als die Dame des Hauses zu uns an den Tisch kommt und fragt, wie viele Marillen wir bräuchten. „Ah, eh nur 5 kg, das kriegen wir schon hin, könnt euch drauf verlassen“. Hurra, schreit es in mir, ich freu mich. Vielen Dank.

 

Krems, wir kommen und wir haben keinen Marillenstress. „Alles Marille“ lautet das aktuelle Motto der fünftgrößten Stadt Niederösterreichs. Marillentouristen aus dem In- und Ausland drängen sich durch die Gassen. Die Reisen sind gebucht und da bleibt nur zu akzeptieren, dass die Ernte der süßen Früchte heuer witterungsbedingt erst etwas später stattfinden kann. Erste Marillen gibt es allerdings schon zum Preis von EUR 4,50/kg, manches Angebot wird aber als 2. Qualität beschrieben.

 

Vor dem Steiner Tor entdecke ich ein besonderes Getränk – Marillenbier. Witzig. Das werden wir probieren und auch für die Familie eine Kostprobe mitnehmen.

 

Wir schlendern durch Krems und es ist leicht enttäuschend, liebgewonnene Geschäfte sind zum Teil geschlossen oder öffnen heute später … Wir erledigen unseren Wochenendeinkauf für zu Hause, gönnen uns eine kurze Kaffeepause und fahren im Anschluss retour nach Spitz.

Eigentlich ist Zeit für Mittagessen, auf Heurigenjause habe ich heute wenig Lust und so folgen wir einer Idee und probieren Buchbergers Landhof in Mühldorf aus. Das Restaurant wurde uns mehrmals empfohlen, die Online-Speisekarte verspricht raffinierte und interessante Gerichte. Rückenfilet vom Reh, das wäre doch was?!

 

Wir fahren die Ottenschlager Straße entlang … ich glaube, hier war ich noch nie, vielleicht als Kind mit den Eltern … und halten Ausschau nach dem Lokal. Den Bildern nach soll es ein gelbes Gebäude sein. Wir glauben schon, dass wir es versäumt haben, da taucht rechts der Parkplatz vom Buchberger Landhof auf und links von der Straße finden wir den Eingang zu einem sehr gemütlichen, üppigen und liebevoll gestalteten Gastgarten, der sich vor dem Haus befindet. Es ist wenig los, wir dürfen uns den Tisch aussuchen. Nein, es sind keine Plastiktischtücher, das Muster wirkt nur aus der Ferne so, es ist gepflegte Tischwäsche, passend zum Ambiente.

 

Grundsätzlich wissen wir, was wir essen wollen, machen aber noch einen Blick in die Karte. Schade, bei der Bestellung bekommen wir sofort die Info, Rehfilet ist aus. Schade. Eine Alternative zu finden, fällt uns aber nicht schwer. Die Karte bietet eine gute Auswahl.

 

Im Garten gibt es viele netten Ecken zu bewundern, Ewald entdeckt drinnen eine schöne urige Gaststube, ich bin bei dem schwülen Wetter zu faul sie anzusehen. Oh, unser Essen ist in Anmarsch, schaut sehr köstlich aus und schmeckt auch wunderbar.

 

Die hohe Luftfeuchtigkeit motiviert nur zur Rückfahrt ins Hotel. Hoffentlich hält das Wetter noch eine Weile und wir können uns im Pool erfrischen. Genauso ist es. Vom herrlichen Kuchen von Oma ist auch noch ein Stück für mich da und so verbringen wir noch einen angenehmen Tag.

 

Ich trödle herum, arbeite an meinem Reisebericht, während Ewald in netter Gesellschaft die Terrasse im Hotel genießt. Leider kommen aus den Medien erschreckende Nachrichten über Unwetter, die bereits in Deutschland verheerende Schäden angerichtet, sogar viele Todesfälle gefordert und heute das Bundesland Salzburg erreicht haben. Hallein ist bereits überflutet … 

 

18. Juli 2021

Es regnet leicht, die Temperaturen sind eher unverändert. Ich trau dem Frieden nicht und will rasch die Heimfahrt antreten. Frühstück und vielen Dank, der georderte Wein und die Marillen sind bereits vorbereitet. Schnell noch eine Zimmerreservierung für 2022 fixieren und dann geht’s los Richtung Heimat.

 

Sollen wir über Ottenschlag oder doch über die B3 an der Donau fahren? Die Hochwassersituation spitzt sich laut Verkehrsfunk erst am späteren Nachmittag zu, dann erst ist in dieser Region mit Straßensperren zu rechnen. Wir nehmen also die übliche Route an der Donau.  Der Himmel ist grau, der Verkehr mäßig, ab und zu passieren wir Hütten und Stände, an denen Früchte zum Verkauf angeboten werden. Wir sind schon außerhalb der Wachau, kommen gleich an eine Stelle, an der schon viele Jahre Marillen angeboten werden und heute will ich es wissen. Ein Kilo mehr kann ich gut vertragen und ich bitte Ewald, kurz anzuhalten. „Guten Morgen. Ich möchte bitte nur ein Kilo Marillen“, beginne ich mit dem Verkäufer das Gespräch. „Das 2 und ein halb Kilo“ zeigt der Mann hinter dem Verkaufstisch auf eine geflochtenes Körbchen mit Marillen. Aha, kein regionaler Obstbauer. Ich betone nochmals, dass ich, wenn möglich, viel weniger kaufen möchte. Der Mann nimmt einen Plastikbecher, stellt ihn auf die Waage, ich sage, dass die Marillen schön aussehen, will ihn ja bei Laune halten, er lächelt und sagt, „1 Kilo, 6 Euro.“ Was? Sechs Euro? Wachauer Marillen kosten heuer EUR 4,50, kommt umgehend meine Rückmeldung. Ja, sagt er, die aber reif und groß. Und woher? frage ich. Aus Serbien. Na super, Kilometergeld inkludiert, denke ich mir. Jetzt kenne ich also den „Zauber“ dieses Marillenstandes, ich schmunzle, verabschiede mich, steige ins Auto, wir können weiterfahren.

 

Oh, da wird schon Hochwasserschutz aufgebaut. Nochmal Glück gehabt, wir konnten noch durch Grein fahren. In ca. 30 Minuten sind wir bei den Eltern, alles gut. Leider zu früh gefreut. Hochwasser in Saxen. Wir müssen auf die Autobahn. Hoffentlich ist die Mauthausener Brücke noch befahrbar und Mauthausen noch nicht überschwemmt?! Auch da haben wir wieder Glück und sehen nur den Aufbau der Dämme. Ab jetzt sollten wir keine kritischen Passagen und Umleitungen mehr vor uns haben und so ist es auch, wir kommen nur verspätet zur Familie und anschließend nach Hause. Leider hat sich die Lage am Nachmittag verschärft, die Donau ist über die Ufer getreten, zahlreiche Straßensperren mussten errichtet werden, Häuser wurden überflutet …. Hätten wir gemütlicher gefrühstückt, uns noch mehr Zeit für die Verabschiedung genommen, …. Egal. Für uns ist es gut gelaufen, wir hatten wunderschöne Tage bei der Familie Donabaum im Hotel Weinspitz und freuen uns jetzt schon wieder auf die Zeit dort im nächsten Jahr. Den vom Hochwasser betroffenen Leuten wünschen wir alles Gute und viel Energie.

 

Zu den Marillen aus Serbien muss ich sagen, dass ich beide Sorten bewusst zusammen in einen Karton gegeben habe, aber sicher jede einzelne davon erkannt und den sehr deutlichen Unterschied zu den viel schmackhafteren Wachauer Marillen feststellen konnte.

 

Daheim haben wir auch das Marillenbier verkostet, gut gekühlt … Spannung vor dem ersten Schluck und sofort war klar, es ist mir zu sauer, viel zu sauer. Einen Versuch war es allemal wert. Den experimentierfreudigen Bierbrauern wünsche ich viel Erfolg. Ob das Getränk ein Verkaufsschlager wird? Ich weiß es nicht. Wir stoßen lieber mit einem Gläschen Sparkling Rosé brut vom Weingut Donabaum „in der Spitz“ an. Prost.

 

Die Wachau, die Menschen dort, die Landschaft, die kulinarischen Köstlichkeiten, … alles eine Reise wert. Die Konditorei, die nach meinem Geschmack die besten Schaumrollen erzeugt, hatte leider Urlaub, wir müssen alleine schon deswegen bald wieder in diese herrliche Region. Ihr seid dort noch nie gewesen? Zeit wird’s ? Fragen? Schreibt mir doch! Ich gebe euch gerne Tipps.

 

Genießt den Sommer, bleibt gesund, bis bald.

Eure Rena

 

Einen Tag später habe ich mich erstmals als Marmeladeköchin versucht und habe ganz nach Rezept, in Kombination mit allen Tipps vertrauenswürdiger Hausfrauen, Marillenmarmelade gekocht. Tja, was soll ich sagen? Ich kann nicht auf jeder Ebene talentiert sein ... schöne Farbe, guter Geschmack, aber leider nicht fest genug für Marmelade. Ewald schmeckt sie ... ich muss aber noch viel üben. Tipps sind willkommen.  Danke.

 

Erinnerungen an 2020

 

Im Herzen der Wachau - Spitz an der Donau

 

Heute nehme ich dich sehr gerne mit zu unserem Kurzurlaub in die Wachau. Wir mögen diese Gegend an der Donau, die sanften Hügeln, die Weinberge, die Leute, das gute Essen, ... die Schaumrollen aus Mautern, ... all das sind jährliche Fixpunkte, auf die wir auch heuer nicht verzichten wollen. An der Stelle darf ich einen Auszug aus Österreicherwein.at zitieren:

 

Weltkulturerbe und Wohlfühllandschaft – das ist die Wachau, das enge Donautal zwischen Melk und Krems. Auf 1.344 Hektar, teils auf steilen Terrassen, wachsen unverwechselbare Weine heran, die ab dem Jahrgang 2020 als Wachau DAC deklariert werden dürfen. Die besten Lagen erbringen einige der größten Weißweine der Welt mit jahrzehntelangem Entwicklungspotenzial, allen voran Grüner Veltliner und Riesling.

 

Der Winter heuer zeigte sich relativ mild, leider gab es gerade im März einige frostige Nächte und die genau zur Zeit der Marillenblüte. Die Marille musste sehr darunter leiden und auch die getroffenen Maßnahmen halfen wenig. Eine sorgenvolle Zeit für die Marillenbauern. 

 

Auch wir haben uns damals im März Gedanken um die Marillen gemacht. Ja, ein bisschen egoistisch motiviert, aber ich mag die geniale Marillenmarmelade sehr gerne und niemand bereitet sie so köstlich zu wie meine Mutter Helene. Dazu gibt es keine bessere Frucht als die Marille aus der Wachau und wir brauchen dafür eh nur kleine Haushaltsmengen. Wir kommen also in jedem Fall in die Wachau, Seele baumeln lassen und vielleicht haben wir Glück und können sogar ein Kisterl Marillen mit nach Hause nehmen.

 

Wir haben ein schickes Hotel gebucht und freuen uns auf ein paar Genießertage Mitte Juli. Der Ernteausfall bei den Marillen durch den Frost ist dramatisch, es wird von 90 % gesprochen und es wird keinen Straßenverkauf geben. Eine Website zeigt mir täglich die Reife der Früchte und ich kann nur hoffen, erstens auf die Chance ein paar Kilo Wachauer Marillen zu bekommen und zweitens, dass wir punktgenau zur Reife ankommen. Im Notfall, und das wäre sehr schade, müsste ich Importware einkaufen und das hätte für mich schon einen bitteren Beigeschmack.

 

Wachau für alle Sinne

 

15. Juli 2020

Hurra, heute geht’s los. Die Sonne scheint, wir sind gut gelaunt, haben uns ein kleines Wachau-Programm für die nächsten Tage gemacht und unsere erste Station wird wieder Melk sein. Angeblich gibt es dort die besten Schaumrollen, ich bin zwar skeptisch, freue mich aber trotzdem darauf. 

 

Genau, rechts an der Straße befindet sich der Gebührenparkplatz, da finden wir sicher eine Gelegenheit. Super, der Platz liegt noch im Schatten, das kann heute kein Fehler sein. Der Ticketautomat verlangt für zwei Stunden EUR 1,-, so lange werden wir wahrscheinlich gar nicht brauchen. Auf direktem Weg geht’s zu den Schaumrollen. Es ist Markttag in Melk und bei dem schönen Wetter sind wirklich viele Menschen unterwegs, Einheimische, die frische Lebensmittel einkaufen oder sich beim Wirt zu einem Gläschen Wein treffen, aber auch Touristen und Touristinnen aus vielen unterschiedlichen Ländern, das Sprachengewirr verrät sie. 

 

Reges Treiben, aber da war doch noch was? Ich sehe keinen Mund-Nasen-Schutz mehr, vertraute Umarmungen und Gesten, Abstand scheint ein Fremdwort zu sein ... sehr ignorant empfinde ich diese Situation. Während sich die Regierung über unsere Gesundheit und Wirtschaft den Kopf zerbricht, Geld locker macht zur Überbrückung in dieser verrückten Zeit, haben andere ihren Spaß und reden von Corona-Parties. Unverantwortlich! Mich macht das wütend und traurig zugleich. Ich halte mich an die Maßnahmen, manchmal mehr als nötig. 

 

Oje, vor der Konditorei gibt es so gut wie keine Sitzgelegenheit. Vor dem Haus steht nur ein einzelner Stehtisch. Wir sind der Meinung, dass das für uns passt und Ewald bestellt 2 Espressi und je eine der angeblich besten Schaumrollen. Klein schauen sie aus, das ist mein erster Eindruck. Voller Erwartungen beiße ich ab und sofort wird klar. Niemals können diese Schaumrollen Platz eins belegen. So viele Kalorien für eine Enttäuschung. Sehr schade. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich der wirklich absolut besten Schaumrollen schon ganz nahe bin. Für Samstag habe ich bereits 10 Stück im Café Maria in Mautern vorbestellt. Mmmmh, da ist dann wieder jede einzelne Kalorie eine Sünde wert. 

 

Ein Kurzbesuch in Krems, ein kleiner Bummel durch die Stadt ... die Sonne lacht zwischen den Wolken durch und wir wollen noch den Tag am Pool ausklingen lassen und fahren jetzt direkt zum Hotel. Wunderschön eingebettet in den Spitzer Weinbergen liegt das neue Boutiquehotel WeinSpitz. Die Begrüßung ist freundlich. Super, alles hier schaut sehr modern, geschmackvoll, gemütlich und zum Wohlfühlen aus und auch das Zimmer ist schon fertig für uns. Perfekt. Dem Urlaub steht nichts mehr im Weg.  

 

Auspacken und ab zum Pool. Vorher versuche ich noch mein Glück und frage einfach ganz frech an der Rezeption. Wir würden gerne Marillen kaufen. Wie stehen unsere Chancen? Haben Sie vielleicht einen Tipp für uns? Ich freu mich sehr. Vielleicht gibt es tatsächlich eine Möglichkeit. Vielleicht kann der Opa des Hauses mir dabei helfen. Wir dürfen uns überraschen lassen.

 

Die dunklen Wolken werden rasch mehr, Donnergrollen aus der Ferne und erste Regentropfen ... das war es dann mit der Erholung am Pool. Ein Zeichen des Himmels, dass wir doch früher essen gehen sollen. Wir bestellen einen Tisch im Gasthof Prankl, im "Alten Schiffmeisterhaus", das kennen wir bereits von früheren Besuchen und haben das Haus in guter Erinnerung.

 

Das Gewitter scheint genau über uns zu sein. Es regnet nicht mehr, es schüttet. Wir haben aber Glück und sitzen schon im Gastgarten, bevor es so richtig beginnt mit dem Regen. Die Getränke werden schnell serviert und es ist jetzt schon klar, bei diesem Unwetter bleiben wir nicht trocken unter dem Sonnenschirm. Alles kein Problem, wir dürfen in die Gaststube übersiedeln. Das Essen ist gewohnt vorzüglich, auch im Service klappt alles hervorragend und obwohl das Lokal gut besucht ist, das Personal alle Hände voll zu tun hat, bleibt dazwischen kurz Zeit für Smalltalk. Wahnsinn, eine Tonne Marillen wurde in diesem einen Restaurant im Vorjahr verarbeitet, aus 10.000 Stück davon wurden Marillenknödeln gemacht und das nur während der einen Saison. Die herrlichen Früchte werden nur ganz frisch verarbeitet, das heißt, dass es Knödel nur während der Zeit der Marillenernte gibt. Wir müssen die Feste feiern wie sie fallen - einen Marillenknödel bitte für Ewald und ich nehme 2 Palatschinken mit selbstgemachter Marillenmarmelade. Ja bitte, einen Marillenbrand von der Edelbrennerei Engel in Krems würde gut dazu passen. Mmmh, kulinarisch sind wir jetzt wieder sehr verwöhnt worden, das verlangt dringend einen Verdauungsspaziergang. Das Gewitter ist weitergezogen, die Abendstimmung ist einmalig und wir spazieren über den Kirchenplatz zurück ins Hotel. Spannend, manche Marillenbäume sind rappelvoll mit Früchten, auf anderen finden sich dagegen kaum welche. In jedem Fall ist heuer ein spärliches Marillenjahr.

 

Der Abend und der herrliche Garten laden noch zum Verweilen in familiärer Atmosphäre ein. Prost, danke für den schönen Tag.

 

Wanderung durch die schönsten Rieden

 

16. Juli 2020

6 Uhr. Ich bin neugierig. Regen war angesagt. Ich mag Regen, heuer ist MEIN Sommer, aber heute wollen wir wandern und da wäre mir trockenes Wetter doch lieber. Ich schiebe vorsichtig den Vorhang zurück und freu mich. Gut schaut es aus, vielleicht dürfen wir sogar mit etwas Sonne rechnen. Ich starte also schon fröhlich in den Tag.

 

Das Frühstück im Stammhaus Donabaum ist liebevoll vorbereitet, alle meine Wünsche und Vorstellungen werden erfüllt und als i-Punkt kommt noch der gemütliche Garten in dieser idyllischen Gegend dazu.

 

Einmal um den Tausendeimerberg, das war der Plan für den Tag, aber das scheint mir heute nahezu lächerlich und keinesfalls eine Herausforderung.  

Wandermöglichkeiten gibt es viele in Spitz und Umgebung, heute will ich der Weinflasche folgen. Der gut beschilderte Weinwanderweg führt uns vielleicht durch die schönsten Rieden und bietet wahrscheinlich auch mehr Abwechslung.

 

Wir starten bei Sonnenschein und tatsächlich führt uns der Weg bald durch die Rieden der Gemeinde Spitz. Die asphaltierten Straßen werden schmaler, werden abgelöst von unbefestigten Wegen und ... sind wir da noch richtig? Muss ich da wirklich rauf?  frage ich Ewald, als ich nur mehr einen sehr steilen Steig vor mir sehe. Zweifel über die Richtigkeit des Weges gibt es aber keine, die Beschilderung ist gut und eindeutig. Puh!!, ich denke kurz an meine Knie, atme tief durch und gehe zügig los, folge dem steilen Pfad durchs Gebüsch. Kurz innehalten und mit einem neuerlichen Energieschub geht’s weiter. Super, das war wirklich nur ein kurzes Stück und schon habe ich es geschafft und es hat sich gelohnt. Ein kleines Marterl beim Roten Tor steht an der Stelle, von der wir einen wunderschönen Blick auf Spitz haben. Ein paar Fotos und dann geht’s schon weiter. Dunkle Wolken sind aufgetaucht und daher wollen wir nicht trödeln. Bergab, bergauf, Asphalt, Wiese ... unser kurviger Weg ist sehr abwechslungsreich und zu der einzigartigen Landschaft gibt es noch Informationen zum Weinbau und den Trauben. Ich staune, da lese ich von Trauben, von denen ich nie vorher gehört habe. Ist aber kein Wunder, ich bin schließlich absolut keine Weinkennerin.

 

Weiter gehts und nach einer weiteren Kurve, die uns zum höchsten Punkt unserer Wanderung führt, finden wir einen ganz zauberhaften Platz mit Holzliege.... Nein, wir gehen jetzt nicht weiter, hier machen wir eine kleine Pause und genießen den Augenblick und die Aussicht, bestimme ich einfach. Herrlich ... genießen und glücklich sein ... so geht‘s.

 

Weiter gehts durch die Rieden abwärts zurück auf Asphalt und bald haben wir wieder unseren Ausgangspunkt erreicht. Das war wirklich eine schöne Wanderung, aber keinesfalls so einfach wie in der Beschreibung und unsere guten Wanderschuhe waren gute und notwendige Begleiter.

 

Was wäre es mit einem Getränk im Film-Hotel Mariandl? Ich lade dich ein. Da bin ich gleich dabei und wir spazieren weiter ans östliche Ende von Spitz. Die ehemalige Filmkulisse scheint geschlossen zu sein. Ja, ich sehe schon die Tafel, ab 18.7. gehts erst wieder los. Schade. Wir finden eine gute Alternative und freuen uns über Kaffee und typische Mehlspeisen aus der Region. 

 

Müde erreichen wir das Hotel. Ich bin zwar nur ca. 9 km gewandert, aber das stetige Auf und Ab hat mir doch mehr Energie abverlangt als ursprünglich gedacht. Hast du es gespürt? die ersten Regentropfen landen auf meiner Haut. Perfekt. Zeit zum Duschen, ausruhen, ... das schöne Zimmer genießen. Den Spaziergang zur Burg und um den Tausendeimerberg heben wir uns für morgen auf.

 

Die Zimmer im WeinSpitz sind modern, geschmackvoll, praktisch und ohne Schnickschnack, dazu kommt eine herrliche Aussicht vom Balkon über den Pool auf die Weinberge. Die Transparenz im Badezimmer ist allerdings für mich etwas gewöhnungsbedürftig – ich muss Ewald nicht am WC sehen können, aber das lässt sich auch vermeiden. Passt also!  Von mir gibt es in jedem Fall 100 Punkte! Selten habe ich so eine gelungene Kreation erlebt, eine Harmonie von Landschaft, Architektur und Familie. Dazu darf ich herzlich gratulieren.

 

Heute wollen wir ganz typisch in einem Weingut essen. Mal sehen, bei wem „ausg'steckt is“, welcher Heurige heute geöffnet hat. Sehr schade, dass im „Strawanzer“, im Heurigenlokal der Familie Donabaum, erst wieder Ende Juli ausgeschenkt wird. 
 

Es regnet wieder, wir entscheiden uns für einen kurzen Weg und finden Platz auf der Terrasse unterm Dach im Heurigenrestaurant Gruber. Bei Schweinsbraten und Wein haben wir einen schönen Blick auf die Ruine. Uns gefällt das. Ja gibt es das? Eine Gruppe neuer Gäste biegt um die Ecke und tatsächlich sind das Bekannte aus dem Heimatort. Witzig!

 

Bald sind wir retour im Hotel und somit in der sehr gemütlichen Panorama Lounge mit Blick in den Garten. Hier wollen wir noch ein Gläschen … oder zwei … der edlen Weine des Hauses probieren. Federspiel, Smaragd, … ausschließlich hochwertige Weine, edle Tropfen. Trinkst du ein Glas mit mir? Ewald weiß, dass ich normalerweise keine Weine trinke. Natürlich, sage ich ihm, nirgends passt es besser als hier und die Qualität ist hochwertig. Ui, hätte ich nicht gedacht, dass mir vor allem der Chardonnay sehr gut schmeckt.

 

Ja gibt es das?  In der Vitrine entdecke ich Marillenkuchen mit Schaum. Mmmmh, besser geht es wirklich nicht mehr. Die Oma des Hauses hat den Kuchen gebacken und ich kann nicht widerstehen … und bereue nichts! Er ist einmalig!!!! Im absolut gemütlichen Ambiente des Boutiquehotels WeinSpitz lernen wir nach und nach alle Familienmitglieder im Rahmen ihrer Tätigkeiten kennen. Sehr sympathisch. Hier kann man sich nur wohlfühlen.

 

Wieder war es ein sehr angenehmer Urlaubstag, den wir gerne in Erinnerung behalten.

 

Rund um Spitz

 

17. Juli 2020

Der Tag beginnt mit einer Nachricht von der Familie… Trotz schlechtem Wetter einen schönen Tag … Hm? Gut gemeint, aber wo ich bin, da ist es schön. Nein, so ist das nicht ganz, aber 1. sehe ich schon blauen Himmel und 2. fühle ich mich bei angeblich schlechtem Wetter viel wohler als bei Hitze. Liebe Grüße an der Stelle auch an Ö3, die mich manchmal mit dem Wettergejammere nerven. Ich mache ein Beweisfoto vom perfekten Himmel für die Familie und bedanke mich.

 

Mmmm, das Frühstück weckt Vorfreude in mir. Nach dem ersten kulinarischen Genuss des Tages machen wir uns auf den Weg zur Ruine Hinterhaus, ehemaliger Verwaltungsmittelpunkt und Kontrollpunkt des Donautales.

 

Das ist nicht weit. 15 Minuten sind angegeben. Wir spazieren gemütlich los, genießen Landschaft und Natur, kommen mit einer Dame ins Gespräch. Nehmen Sie den Weg über das Schifffahrtsmuseum, dort haben Sie keine Stufen, der ist schöner zu gehen, rät sie uns. Danke vielmals. Wir drehen um, freuen uns über den Anblick des schönen Gebäudes, in dem das Schiffahrtsmuseum untergebracht ist und nehmen dann den Weg links mit sanfter Steigung durch einen kleinen Wald. Es dauert sicher keine 15 Minuten, wir sehen vorerst nur eine Bank und dann stehen wir auch schon am Fuße der Ruine mit vorgelagertem Weingarten. Ein malerischer Anblick und herrlicher Aussicht auf die Donau und auf den Tausendeimerberg. Herrlich!

 

Wir nehmen denselben Weg retour und steuern direkt Richtung Tausendeimerberg, den wollen wir heute umrunden. Meine Knie sind in relativ gutem Zustand, aber überfordern will ich sie nicht. Der Rundweg scheint gut zu passen, das Wetter auch. Sicherheitshalber habe ich mich aber für die dünne Regenjacke entschieden, die bei Sonnenschein zu warm ist, wie sich bald herausgestellt hat.

 

Schön zu gehen ist dieser Weg. Wir freuen uns über die Aussicht, die Zeit in Spitz, die Fauna, die fantastisch grünen Weinberge, die sich im Juli üblicherweise nicht so saftig grün präsentieren, aber der viele Regen hat heuer vieles verändert.

 

Da ist eine Weggabelung. Hm? Müssen wir wirklich da runter? Ja, ganz eindeutig. Ui, wir wandern auf den Mauern in den Rieden. Kann das sein? Irgendwann stehen wir an. Ein paar Steinstufen führen nach oben, ein paar nach unten, einladend ist anders. Nein, da gehe ich lieber zurück. Auch der andere Weg lässt uns schlußendlich umdrehen. Oje, sind wir an diesem Hügel gescheitert? Nein! Wir versuchen es jetzt einfach von der anderen Seite.

Oops, die Jacke hat doch ihre Berechtigung.

 

Ausgewandert für heute. Frisch machen und essen gehen. Ich habe Lust auf frischen Fisch und danach den Tag im Hotel mit einem Gläschen ausklingen lassen. Super. Genauso machen wir das.

 

Jetzt ist es doch kühl geworden und wir gehen relativ schnell Richtung Donau, dort haben wir heute einen Tisch im Restaurant reserviert, es ist ein langjähriger Familienbetrieb mit wunderschöner Terrasse. Ich freu mich, vielleicht ist sogar auf der Terrasse gedeckt. Ich habe Pullover und Jacke dabei. Es müsste gehen.

 

Grüß Gott, danke für den Anruf, wir haben drinnen oder draußen einen Tisch für Sie reserviert, werden wir freundlich begrüßt. Das ist aber nett, denke ich mir und nach kurzer Absprache mit Ewald entscheiden wir uns für draußen. Aha, wir sind aktuell die einzigen Gäste auf der Terrasse. Ich bestelle eine Forelle im Ganzen gebraten und freue mich, mein Sonderwunsch bei den Beilagen ist perfekt erfüllt worden. Zum Glück kann ich Fische filetieren, Hilfe dazu wurde heute nicht angeboten.

 

Das Essen war gut. Frische Marillenknödel aus der Wachau und in der Wachau, das ist immer sehr verlockend und wir geben die Bestellung für eine Portion auf. Langsam wird mir kalt, die Wolken am Himmel haben sich verdichtet und wir müssen jeden Augenblick mit Regen rechnen. Weitere Gäste haben ebenfalls auf der Terrasse Platz genommen und das Personal ist gut beschäftigt. Mittlerweile friere ich und frage daher mal nach, 10 Minuten sind seit der Dessertbestellung vergangen. Darf ich fragen, wann bitte die Nachspeise serviert wird? Scheinbar ist jetzt die Praktikantin für uns zuständig. 20 Minuten wird es schon noch dauern, sagt sie uns schüchtern. Was? 20 Minuten noch? Dürfen wir diese Bestellung stornieren? Da muss ich fragen. und geht Richtung Küche. Das geht leider nicht mehr, Ihr Dessert ist schon boniert. Hm? Wie bitte? Dann stornieren Sie doch bitte den Bon? Ich glaube, das geht nicht. Dann fragen Sie bitte Ihre Chefin. Ein unnötiges Hin und Her, schlußendlich einigen wir uns, die Bestellung wird storniert, wir zahlen und spazieren zurück zum Hotel und verbringen dort einen sehr gemütlichen Abend, tratschen mit der Familie und … ein Höhepunkt … Omas Marillenschaumkuchen ist mir noch in bester Erinnerung und ich habe die Chance, mich persönlich bei der Köchin zu bedanken. Sie freut sich und sagt mir genau, wie sie den gemacht hat.  6 Eier, Zucker, … und ich schreibe mit …. Ich hätte mich nicht getraut sie nach dem Rezept zu fragen. Ich bin happy! Dankeschön.

 

Ja bitte, ich will auch noch den Sauvignon blanc Smaragd probieren und bestelle ein Glas. Ewald versteht die Welt nicht mehr – seit wann trinkst du Wein? Seit gestern!  Er schmeckt mir wirklich und ab und zu in der Gesellschaft passt das ganz gut, wenn ich das eine oder andere Gläschen genieße. Prost!

Die Zeit verfliegt in der netten Gesellschaft. Schade, der letzte Abend in Spitz ist zu schnell gekommen, aber wir kommen sicher im nächsten Jahr wieder, haben auch schon gebucht.

 

Das monotone Geräusch der Regentropfen, die auf die Terrasse prasseln, lässt mich zufrieden einschlafen.

 

Danke, schön war's

 

18. Juli 2020

Ganz frische, von der Chefin selbstgemachte Marillenmarmelade zum Frühstück … mmmh, köstlich … dazu Brioche. Was will ich mehr? Guten Morgen, das mit den Marillen klappt, Opa hat noch welche gebracht. Juju, ich freu mich sehr über die Nachricht von Frau Donabaum. Heurige Marillen aus der Wachau zu bekommen grenzt fast an ein Wunder und die sind noch dazu zu 100 % ohne Chemie. Besser geht es nicht! Der bestellte Wein ist auch schon zum Heimtransport vorbereitet. Super.

 

Wir verabschieden uns mit guten Wünschen für die ganze Familie Donabaum und freuen uns über das Glas frischer Marillenmarmelade. Vielen Dank für die ehrliche Gastfreundschaft, es hat uns super gut gefallen. Bleiben Sie gesund und hoffentlich wird das Wetter optimal für den heurigen Wein. Wenn alles nach Plan läuft, sehen wir uns 2021 wieder.

 

Jetzt geht’s nach Mautern, die bestellten Schaumrollen warten schon. Es regnet und regnet, auf der Autobahn gab es heute schon viele Unfälle auf unserer Strecke, wir nehmen daher die Bundesstraße, kaufen noch Gelierzucker und 2 Stunden später sind Marillen und Zucker bei Helene, wir behalten eine Schüssel der köstlichen Früchte für Kuchen und zum Naschen.

 

Am späten Nachmittag ruft Helene an, die Marmelade ist wieder sehr gut gelungen, ich kann die Gläser jederzeit abholen. Ein Foto davon schickt sie über WhatsApp. Mir geht’s richtig gut. Danke an alle, die das möglich machen.

 

Schön, dass du mich in die Wachau begleitet hast. Wohin geht‘s als nächstes? Wir wissen es noch nicht. Schau einfach wieder mal auf meine Website oder schreib mir … freue ich mich.

 

Alles Gute. Schönen Sommer.

Bis bald.

Eure Rena

 

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© Rena Hackl | 4040 Linz | mail@renahackl.at | foto@renahackl.at