Kitzbühel, die Gamsstadt in den Tiroler Bergen ...
... ist schon jahrelanger Fixpunkt in unserem Urlaubsprogramm, unbhängig von der Jahreszeit. Seit vielen Jahren sind ein paar freie Tage im Kitzbühler
Advent unser Weihnachtsgeschenk und es ist immer schön, von -24 Grad bis +15 Grad haben wir um den 8. Dezember schon alles erlebt.
Hurra, schon lange haben wir uns nicht mehr so sehr auf den Urlaub gefreut wie dieses Mal und heute ist es endlich soweit. Kitzbühel im Advent, das hat schon was, auch wenn die Wiesen heuer grün
bleiben, für mich passt das gut.
Unsere beiden großen Koffer sind wider Erwarten total voll geworden und leider auch schwer. Tja, das ist im Winter wohl so mit dicken Pullis, gefütterten Stiefel, …
Heuer haben wir uns erstmals für die Fahrt mit der Bahn entschieden und alles läuft gut, 10:26 Uhr pünktliche Abfahrt in Linz, Umstieg in Wörgl in die S8, auch hier sind die Waggons
ebenerdig zu betreten, super. Eine kleine Anekdote aus dem Zug muss ich hier unbedingt erzählen. Eine ca. 4-Jährige und ihre Eltern sind mit uns im Zug. Die Kleine ist an allem interessiert und
stellt viele Fragen, die ihr Vater geduldig versucht zu beantworten. Irgendwann reden die beiden vom bevorstehenden Feiertag Maria Empfängnis, Empfängnis, ein Wort, womit die kleine Reisende nichts
anfangen kann, aber im Nu tauscht sie das unbekannte Wort gegen ein ihr bekanntes aus und fragt ihr Eltern: Ist das ein echtes Gefängnis? Der Vater, kurz verwirrt, hakt nach, will wissen, was sie
damit meint und bekommt umgehend die Erklärung. „Wenn das doch Maria Gefängnis heißt, muss da ja auch irgendwo ein Gefängnis mit dabei sein, sind dort auch echte Verbrecher? …“ Einmalig! Ich hab mich
fast zerkugelt.
Um 14 Uhr kommen wir in Kitzbühel an. Der Weg vom Bahnhof zu unserer Unterkunft ist kurz und wir rattern über den Rollsplitt zum Hotel. Noch vor dem Eingang läuft der Concierge auf
uns zu, begrüßt uns nahezu herzlich und befreit uns vom Reisegepäck. Erster Eindruck: top! Wir sind gespannt auf das Hotel, auch bei der Unterkunft wollen wir heuer was anderes ausprobieren, direkt
im Zentrum und adults only!
Die Lobby ist kleiner als gedacht und es verstört mich etwas, dass die 2 Damen an der Rezeption sehr unfreundlich und unbeholfen den Check-In erledigen, eine mehr, eine weniger. Die
Mitarbeiterin, die uns zur Verfügung steht, nennt auch, in gebrochenem Deutsch, Öffnungszeiten des Spabereiches, ergänzt die Auskunft allerdings mit: “glaube ich“. Oje, wir sind zweifelsfrei an eine
Mitarbeiterin geraten, der es gewaltig an Freundlichkeit, Kompetenz und Motivation mangelt. Schade, so eine Person lässt kein „happyholiday“, so das WLAN-Passwort für Gäste des Hauses, aufkommen. Der
Concierge bietet zur Begrüßung ein Glas Sekt an und versucht offensichtlich, die mangelnde Serviceorientierung seiner Kollegin zu kompensieren.
Das Zimmer ist groß mit modernem Interieur, die Fenstern sind in eine verkehrsberuhigte Seitenstraße gerichtet, alles gut. Das traditionsreiche Hause wurde in den letzten Jahren aufwändig
renoviert und hat uns neugierig gemacht. Hihi, was sind das für niedrige Betten, an welche Zielgruppe dabei wohl gedacht wurde? Im Badezimmer hängen 2 Bademäntel für die Zeit unseres Aufenthaltes
bereit und das ist bemerkenswert, hier wurde mitgedacht, einer in Größe S, der zweite in XL. Bravo!
Unseren Nachmittagskaffee nehmen wir in der Hotelbar ein und erleben dort ebenfalls zurückhaltende Kundenfreundlichkeit. Sehr schade.
Das Wetter lädt zu einem Spabesuch ein. Hm, wohin müssen wir? Zuerst suchen wir den Weg zum Roofpool. Es gibt einen Lift, der leider
aktuell nicht funktioniert. Treppauf, treppab sind wir irgendwann richtig. Der Pool ist zum Schwimmen aufbereitet, aber macht keinen einladenden Eindruck. Wer will bei Temperaturen unter 5 Grad
über Betonplatten in den Pool steigen und danach mehrere Stockwerke nach unten ins Warme gehen, verkühlen inklusive? Ja, wird schon welche geben, mich reizt das nicht.
Der Spabereich ist ebenfalls modern und großzügig, die Liegen leider unbequem. Hm, Zeit wird, das das Hotel Punkte bei mir sammelt. Auch der Dame, die für die Massagen zuständig ist, gelingt das
nicht. Sie spricht ausschließlich englisch und hat keine freien Termine in den kommenden Tagen.
Jetzt freue ich mich auf ein gediegenes Abendessen im Restaurant, das gleich dem Hotel angeschlossen ist. Mahlzeit.
Kurz und bündig fällt mein Fazit zum Abendessen aus. Lokal, Kellner, Speisenangebot, Qualität und Raffinesse der Speisen - 10 von 10 Punkten. Vielen Dank für den schönen Abend im Neuwirt
Kitzbühel. Das weibliche Servicepersonal passt sich leider den anderen im Hotel an - spaßbefreit und gefühlt genervt von der Gästeschar.
Alles in allem ein gelungener Tag. Wir sind dankbar für alles, was wir erleben und genießen dürfen. Es ist nur schade, dass Unfreundlichkeit manchmal die Freude trübt und kein gutes Gefühl
macht.
Montag
Oh, so spät schon, ein gutes Zeichen, ich hab gut geschlafen, trotzdem freut sich mein Rücken auf Turnübungen und Dehnungen.
Das Frühstücksangebot ist reichhaltig, alles da, worauf ich Lust habe. Ein kleines Missverständnis gibt’s leider auch. Der Kellner, er ist gebürtiger Portugiese, kann kein Deutsch, nur etwa
Englisch und das ist wahrscheinlich der Grund dafür, dass meine Spiegeleier auf beiden Seiten angebraten waren, obwohl wir die Zubereitung ausführlich besprochen haben, und Ewald hat auch gleich eine
Portion bekommen, obwohl er nichts bestellt hat. Egal, gut war’s trotzdem.
Draußen regnet es, ab ca. 11 Uhr soll es lt. Wetterbericht aufhören. Ein guter Grund, um bis dahin im Spabereich zu relaxen. Erholsam ist das heute, weil es sind max. 5-10 Gäste anwesend.
Ja, tatsächlich, die Prognose war exakt, ein paar Sonnenstrahlen erhellen kurz nach 11 Uhr den Ruheraum, ein Zeichen für uns, rauszugehen, Luft zu schnappen. Trotz Feiertag sind mehr Geschäfte
geöffnet als gedacht. Tja, Kitzbühel will Deutschland Konkurrenz machen, dort ist heute kein Feiertag und das Weihnachtsgeschäft kann ungehindert stattfinden.
Es ist schon schön wieder hier zu sein. Aha, hier ein neues Geschäft, dort ein neues Restaurant, der Weihnachtsmarkt ist mittags noch etwas verlassen, aber geschäftiges Treiben verspricht
bald beginnenden Weihnachtstrubel.
Eine sympathische Café-Bar war in den letzten Jahren leider geschlossen und wir freuen uns, als wir sie unter anderem Namen geöffnet sehen. Da brauchen wir nicht lange überlegen, hier gönnen wir
uns ein Gläschen und stoßen auf den Urlaub an. Prost! Auf Kitzbühel!
Die Welt ist klein. Ein Bekannter aus der Heimat sitzt an der Bar und ist ebenso erstaunt über das überraschende Wiedersehen wie wir.
In Ewalds Adventkalender (mit Liebe von mir gemacht) fand sich heute ein Besuch im Café Schatzi, das suchen wir jetzt. Mal sehen, was uns erwartet, zumindest im Netz wird es recht positiv
bewertet. Naja, es stellt sich etwas anders dar als in meiner Vorstellung, aber wir werden herzlich empfangen und wir plaudern nett mit dem jungen
Mann, der uns bedient.
Abschließend ein Bummel durch den mittlerweile belebten Weihnachtsmarkt, auf dem sich heuer ein fast übermächtiges Riesenrad dreht und manche Gondeln davon sind sogar besetzt.
Nach einer kleinen Pause im Hotel machen wir uns planlos auf zum Abendessen.
Heute am Feiertag haben nur wenige Restaurants und Gasthäuser geöffnet, aber wir haben Glück, bekommen einen Tisch in einem gepflegten gemütlichen Lokal. Die Bestellungen werden rasch serviert,
Ewalds Gröstl schmeckt ihm sehr gut und auch ich bin mit meinem Schnitzerl sehr zufrieden.
im Anschluss lassen wir uns noch vom üppig beleuchteten Weihnachtsmarkt verzaubern.
Dienstag
Nach dem Frühstück, die Auswahl ist wirklich sehr gut und trifft unseren Geschmack, ans Personal haben wir uns auch schon gewöhnt, sausen wir zum Bahnhof. Für heute haben wir einen Ausflug nach
Innsbruck geplant, unser Zug fährt um 9:01 Uhr von Kitzbühel Hahenkamm ab.
Es ist eine angenehme Fahrt, wir haben uns für die langsamere Variante ohne Umsteigen entschieden und erreichen Innsbruck um 10:40 Uhr. In Wörgl haben wir 15 Min Aufenthalt.
Vom Bahnhof aus tauchen wir direkt in die Stadt ein, lassen uns ohne Plan Richtung Altstadt treiben, wir haben keine Eile und bleiben dort stehen, wo es uns gefällt. Einmal nach rechts, dann wieder
nach links und irgendwann stehen wir an der Ecke
Maria-Theresien-Straße und sind freudig überrascht, wir sind an der breit angelegten Geschäftsstraße, eine der
meistbesuchten Straßen der Stadt, angelangt und damit mitten in einem der Innsbrucker Weihnachtsmärkte. Oh, wie schön das ist, außerdem lacht die Sonne vom Himmel und der Nebel gibt nach und nach die
verschneiten Bergspitzen frei.
Hier gibt es viel zu sehen und der Fotoapparat ist voll im Einsatz. Historische Prunkbauten reihen sich harmonisch nebeneinander an der prominenten Maria-Theresien-Straße, wir finden hier z. B.
das Kaufhaus Tyrol, die Rathauspassage, die Spitalskirche zum Heiligen Geist und prachtvolle Palais. Die Stände des Weihnachtsmarktes samt üppiger Dekoration befinden sich mittig in der
Straße, ebenfalls die 13 m hohe Annasäule, die zur Erinnerung an die Abwehr des bayerischen Einfalles gestiftet wurde. Als Wahrzeichen Innsbrucks ist die aus rotem
"Kramsacher" Marmor gefertigte Säule auf vielen Postkarten zu sehen.
Die Maria-Theresien-Straße wandelte sich in den letzten Jahren zur eleganten und autofreien Flaniermeile, mit Granitsteinen am Boden, Bänken, die zum Verweilen einladen, geschmackvollen
Beleuchtungskörper, die kleine Lichtinseln in die Fußgängerzone schaffen. Hier wird geshoppt, hier trifft man sich oder man beobachtet nur die Passanten aus einem der gemütlichen
Straßencafes.
Dieses herrliche Straßenbild will ich auf mich wirken lassen, es ist eh Zeit für eine Vormittagspause, wir finden ein nettes Plätzchen im Cafe Central, betrachten bei Tee und Kaffee das bunte
Treiben und lassen die Seele baumeln.
Weiter geht unser Stadtbummel in die RathausGalerien, dort kommen wir mit dem Lift zum Café 360 Grad und haben einen wunderschönen Rundumblick über die Stadt.
Besser könnte das Wetter heute nicht passen. Beim letzten Besuch in Innsbruck fehlte mir leider die Zeit für einen Besuch in der Markthalle, das will ich heute nachholen und schon
befinde ich mich im nächsten Weihnachtsmarkt. Der Christkindlmarkt Marktplatz (ca. 68 Stände), der Familienmarkt mit dem 17,5 Meter hohen
Swarovski-Kristallbaum mit über 112.000 Swarovski Kristallen, bietet den kleinen Besuchern ein nostalgisches Karussell und ein Kasperltheater. Natürlich gibt es auch alternative
Handwerkskunst, weihnachtliche Produkte und Tiroler Schmankerl.
Wahnsinn, die ganze Stadt scheint ein einziger Weihnachtsmarkt zu sein. Ich bin beeindruckt und staune über die vielen liebevollen Details. „Schau mal Ewald, da vorne ist Rapunzel“ rufe
ich. „Ja, und dort Frau Holle“ kommt rasch seine Antwort. So was haben wir beide noch nicht gesehen und entdecken viele weitere Märchenfiguren. Ich lese nach und erfahre, dass die
Innsbrucker Bergweihnacht in der Kiebach- und Seilergasse seit 28 Jahren von Märchenfiguren geprägt ist. Eine schöne Idee, von der Jung und Alt angesprochen
sind.
Da vorne sehen wir schon das Goldene Dachl und darunter die Stände vom Christkindlmarkt in der Altstadt. Dieser Markt gilt als einer der traditionellsten und
bekanntesten Weihnachtsmärkte in Innsbruck. Die malerische Kulisse der historischen Altstadt, umgeben von den Laubengängen und dem Goldenen Dachl, verleiht ihm einen besonderen Charme.
Den "schönsten" Weihnachtsmarkt zu küren ist subjektiv, aber die Innsbrucker Weihnachtsmärkte Altstadt, Maria-Theresien-Straße und Hungerburg gelten mit ihrer Vielfalt (Historie, Moderne,
Bergblick) als Highlights.
Normalerweise stehe ich Adventmärkten emotionslos gegenüber, heute wünsche ich mir mehr Zeit, vor allem am Abend, wenn die Beleuchtung richtig zur Geltung kommt.
Zum Abschluss gönne ich mir noch ein Sackerl Maroni und schmunzle über die Erklärung des Verkäufers, in der er mir sagt, dass ein Sackerl eigentlich aus zwei besteht und ich die
nicht auseinanderreißen darf, da das kleinere der beiden Säckchen als Abfallbehälter dient.
Zeit, zum Bahnhof zu spazieren. Super, da vorne ist eine Bushaltestelle und der Bus, der uns zum Zug bringen kann, fährt gerade vor. Den nehmen wir und sind am Nachmittag wieder retour in
Kitzbühel. Kaffee für Ewald, Tee für mich, dann eine kleine Pause, bevor es zur Erfüllung der heutigen Überraschung aus dem Adventskalender geht, zum Abendessen ins Restaurant Reisch. Ewald freut
sich drauf, ich auch.
Es war ein sehr schöner Tag, auf den wir beim Essen dankbar anstoßen. Prost!
Mittwoch
Die Sonne lacht, kalt ist es. Wir freuen uns auf den Nachmittag, wir treffen heute unsere Tiroler Freunde und verbringen eine gut Zeit zusammen.
Das Wetter eignet sich einerseits für eine Fahrt auf den Hahnenkamm, andererseits wäre auch ein Spaziergang um den Schwarzsee eine gute Option. Beide Aktivitäten haben Tradition. Wir entscheiden
uns für eine kleine Wanderung rund um den Schwarzsee, den Naturmoorsee im nahe gelegenen Naturschutzgebiet.
Oops, das Schmelzwasser von den letzten Tagen hat sich in Glatteis verwandelt, Vorsicht ist geboten!
Der See zeigt sich in der Sonne, die Sträucher, die am Ufer wachsen, sind mit Raureif überzogen, stellenweise liegt etwas Schnee, ein sehr malerisches Bild zeigt sich uns hier. Der Schwarzsee
begeistert uns immer wieder, wir genießen die Zeit im Freien, bevor wir uns im Hotel für das Wiedersehen mit unseren Freunden Manuela und Josef vorbereiten. Treffpunkt 14:30 Uhr bei
der Kutsche im Hof der Bezirkhauptmannschaft, dort, wo sich auch der Christkindlmarkt-Postkasten befindet.
Die Begrüßung ist sehr herzlich und wir knüpfen dort an, wo wir beim letzten Treffen aufgehört haben. Eine über 40 Jahre bestehende Freundschaft hat natürlich eine besondere Qualität, für die
ich sehr dankbar bin.
Es ist soweit, wir beschließen eine gemeinsame Fahrt mit dem Weihnachtsmarkt-Riesenrad und haben Spaß daran. Insgesamt drehen wir 5 Runden in der geheizten Gondel, das ist
Standard, und können die Aussicht über die Kitzbüheler Bergwelt ausgiebig genießen. Ein lustiger Nachmittag, ganz nach meinem Geschmack. Ich freue mich schon aufs nächste Wiedersehen, Vorfreude ist
die schönste Freude.
Zurück im Hotel heißt es Koffer packen. Morgen nach dem Frühstück geht‘s wieder nach Hause. Die Zeit ist viel zu schnell verflogen, aber wenn alles nach Wunsch klappt, kommen wir im
nächsten Advent wieder nach Kitzbühel.